Archiv der Kategorie: Architektur

Estellencs

Unser Ausflug über die Gebirgstrasse Ma – 10 erst hinauf zum Coll de Sa Gramola …


… leider nicht mit diesen geilen Flitzer, sondern nur in einem grauen Mietwagen

… vorbei an wunderbaren Aussichtspunkten


und erstem grösseren Halt auf einem Felsen beim “Mirador Ricardo Roca” mit 400 Metern Höhe

… beim Ausflugsrestaurant “Bar es Grau”

Schon ein paar Kilometer und Kurven weiter sind wir im malerischen Berg – Dörfchen Estellencs, welches mitten in den Hängen des Puig de Galatzó und ca. 600 m oberhalb der Küste Cala Estellencs liegt.  https://de.wikipedia.org/wiki/Estellencs


Von der Strasse her gelangt man als erstes zur Pfarrkirche San Juan Bautista (Hl. Johannes der Täufer), welche erstmals 1422 urkundlich erwähnt worden ist.


Mare de Deo del Carme (Virgen del Carmen) ist die Schutzpatronin der Seefahrer und Fischer, um sie anzubeten und von ihr eine gefahrlose Schifffahrt, sowie einen reichen Fischfang zu erbitten.

Streifen wir doch mal dieses wunderschöne, rustikale und gut erhaltene Bergdorf.

Hier wieder mal, für diese Region so typischen Drachengebilde





Ausser dieser wunderschönen Blumen steht in Estellencs alles unter Denkmalschutz;

… wie auch dieser 151 Meter hohe Wehrturm “Torre d’en Tem Alemany” aus dem 16. Jh.

und dieses Restaurant, direkt an der Ma-10, beim Plaça Constitució

Das ist ein Metallskulptur von Mariano Navares:


siehe dazu folgenden Bericht:

https://jardin—mundani-blogspot-com.translate.goog/2015/10/esculturas-metalicas-de-mariano-navares.html?_x_tr_sch=http&_x_tr_sl=es&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=sc

Mulus Ferreux

ist ein eisernes Maultier am Wegesrand und wurde ebenfalls von Mariano Navares geschaffen.

Dieser “Mulus Ferreux”, resp. Metallesel hat es mir besonders angetan und wie ein spanisches Sprichwort über Esel / Maultiere sagt:

“Es mejor tener un burro malo que ser tu propio burro.”, übersetzt heisst das:

Besser einen schlechten (rostigen) Esel haben, als der eigene Esel sein.


Die Kathedrale von Cefalû

… mit dem wunderschönen Namen Chiesa del Santissimo Salvatore … 



… liegt an der Piazza Duomo, am Fusse eines 270 Meter hohen Kalksteinfelsen, der zum Gebirge vom Rocca di Cefalû gehört.



Die Kathedrale von Cefalû steht seit 2015, wie die Kathedrale Monreale (Chiostro dei Benedettini) und die Kathedrale von Palermo   auf der Liste vom UNESCO Weltkulturerbe.


König Roger II. wurde 1130 zum König von Sizilien gekrönt. Im gleichen Jahr ist er mit seinem Schiff in einen Sturm geraten. Mit viel Glück konnte er sich an die Küste von Cefalû retten. Aus Dankbarkeit liess er die damalig kleinere benediktinisch-cluniazensischer Kirche zu einem Dom ausbauen. Sie sollte zukünftig im normannisch-arabischen Stil erstrahlen.

Die unteren Teile der massiven Wehr-Türme stammten von der ursprünglichen Kirche und wurden in ihrem Baustil bis heute erhalten. Der von Roger II beauftragte Erweiterungs-Bau der Kirche wurde ständig unterbrochen und verzögerte sich übers 14. und 15. Jahrhundert. In einer späteren Phase wurden die ursprünglichen Rosettenfenster (oberhalb vom Portikus) zugemauert, um im Innenbereich mehr Flächen für die Mosaikbilder zur Verfügung zu haben. 

Diese so entstandenen Blendenarkaden mit ihren überkreuzenden Bögen ähneln (wie damals üblich) der arabisch – normannischen Baukunst. Hingegen eher gotisch zeigt sich der von Ambrogio da Como im Jahre 1472 erweiterte Eingangsbereich. Dieser aus Kalkstein gemauerte Portikus gleicht architektonisch dem Marmor-Portikus vom Dom von Monreale.


Je eine Marmorsäule mit geschnitztem Kapitell (Säulenkopf) …

 

 

 

 

 

 

 

… stützt eine schlicht gemauerte Bogenreihe und in ebenso trivialer Konstruktion das gotische Deckengewölbe. Desgleichen zeigen sich die Wände der Eingangshalle nüchterner und schmuckloser, als in Monreale oder in Palermo

 


 

Denn auch die Mosaik-Umrahmung vom Eingangsportal, versehen mit arabischen Schriftzeichen und Symbolen, zeigt sich bescheidener;

wie ebenfalls das massive Holz-Eingangstor (vierzig eingelassene Rechtecke, jedes mit einem anderen Ornament geschnitzt).


 

 

Gesamthaft gesehen hatte König Wilhelm II (Wilhelm der Gute), also der Enkel von Roger II mit dem Bau der Kathedrale von Monreale auf dem Monte Caputo seinen Grossvater prunk- und grössenmässig  übertroffen; und erst noch in einer kürzere Bauzeit in den Jahren 1172 bis 1176.

 


Denn der dreischiffige Innenbereich der Kirche …



… wirkt ebenfalls etwas schlichter –  trotzdem sehr anspruchsvoll und wunderschön.


Momentan wird die Domhalle renoviert und dummerweise habe ich meine Nikon falsch eingestellt und deshalb keine brauchbaren Bilder vom Inneren der Kathedrale.


Dieses “Mosaikbild” vom Christus Pantokrator wäre ebenfalls im oberen Chorraum zu besichtigen gewesen. Es hat praktisch die genau gleiche Darstellung (Bedeutung) wie die bereits beschriebene von der Kathedrale Monreale . Obige Aufnahme habe ich in Cefalu an einer Aussenfassade entdeckt und geblitzt … Ebenfalls fehlen Fotos von den 2002 erstellten Glasfenstern von Michele Canzoneri, den Grabmäler (unter anderem das Grab von Roger II), sowie diverser Skulpturen und dem Taufbecken aus Muschelkalk. 


Um so mehr habe ich brauchbare Fotos vom wunderschönen Aufgang zum Dom …



… vom umzäunten Vorhof …



… und flankierendenSkulpturen auf hohen Steinsockeln … 



… wie zum Beispiel diesem König – etwa Roger der Zweite? 



… oder diesem Heiligen, etwa Santissimo Salvatore?



… oder einem Bischof, vielleicht Locelomus?



Das ist eindeutig ein Tor. Zum Glück mitsamt dem Zaun aus Eisen - ansonsten hätten wir plötzlich, wie es Christian Morgenstern in seinem Zaun-Gedicht beschreibt, ein klitzekleines Problem:



Der Lattenzaun


Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.


Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -


und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.


Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,


Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.


Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.

Frank Gehry …

… der weltberühmte Architekt hat im Westen von Paris, im  Bois de Boulogne, dem grössten Stadtpark der Welt,  das Museumsgebäude ”Le vaisseau de verre” auf deutsch: “Das Glasschiff” erstellt.



Der Bauherr ist Bernard Arnault  (Chef des Luxusartikelkonzern LVHM) und Vorsitzender der Stiftung “Fondation Louis Vuitton”. http://www.fondationlouisvuitton.fr



Seit dem 11. Mai 2016 hat sich “die gläserne Wolke” (wie der Architekt Gehry das Glasschiff auch nennt) vorübergehend in ein “Observatorium des Lichts” gewandelt. Die geniale Verwandlung hat der Maler und Bildhauer Daniel Buren in enger Zusammenarbeit mit Frank Gehry entwickelt und realisiert.



Das Ausstellungsgebäude beherbergt zur Zeit (bis April 2017) nebst Daniel Buren’s Arbeit “L’Observatoire de la lumière”



auch “Art/Afrika” (zeitgenössische afrikanische Kunst) und “Ikonen der Moderne” (Sammlung Schtschukin) u.a. Monet, Cézanne, Degas, Picasso und van Gogh.



Täglich besuchen tausende Leute dieses gläserne Haus, welches zur Zeit durch Farbe, Spiegelungen, Transparenz und Kontraste positiv auffällt und den meisten Besuchern gefällt. Zum einen wegen der besonderen Architektur, Geometrie, der klaren Farbgebung und zum anderen wegen seiner steten Wandlungen im Spiel und Situation des Tages- und Nachtlichts.



Daniel Buren betitelt seine Farbgestaltung an Frank Gehry’s Bau  als “gestreifte Herrschaft des Lichts”.  https://kurier.at/kultur/museum-von-stararchitekt-frank-gehry-in-paris-eroeffnet/92.331.300



Die riesigen Glasflächen, welche das Gebäude umrahmen, erinnern an aufgeblähte Segel -oder - je nach dem wo man steht, an eine riesige sich entfaltende Blüte. Jedes der 12 Glassegel besteht aus einzelnen Glasteilen welche mit unifarbigen und gestreiften Farbfolien “beklebt” sind.



Das Gebäude aus Beton, Glas und Holz und die verschiedenartig ineinander verschränkten Elemente faszinieren die Besucher draussen, wie diejenigen im Gebäude drinnen. Auf 11’000 m2, verteilt auf vier Etagen werden nebst zeitgenössischer Kunst (wechselnde Ausstellungen in 11 bis 21 m hohen Galerien) auch Konzerte und Vorträge präsentiert.



Wie bereits erwähnt, zeigen sich je nach Tageszeit, Licht- und Wetterverhältnisse die Fassade und deren Spiegelungen anders. Ebenfalls in den Innenräumen verändert sich je nach Lichteinfall, deren Intensität und je nach Wettersituation die Atmosphäre (Licht- und Schattenspiele, sowie Spiegelungen usw.).



Leider erlebten wir das Gebäude nur bei bedecktem Himmel … 



http://www.detail.de/artikel/von-glassegeln-umhuellt-fondation-louis-vuitton-in-paris-12932/



Nur verleimte Holzbalken oder sogenanntes Brettschichtholz (verleimte Hölzer in gleicher Faserrichtung, deswegen auch Brettschichtbinder oder Leimbinder genannt), halten diesen hohen statischen Anforderungen, sogar im gebogenen Zustand (Biegespannung) stand.



Hier sieht man besonders schön in welchem Einklang die Stahlträger (gemeinsam mit den verleimten Balken, dem Gebäudekern und Glassegel) sich als Ganzes verlässlich tragend, funktional leicht und perfekt aufeinander abgestimmt präsentieren. 



Dieses eindrückliche Bild zeigt auf, wie die statischen Bemessungen der Glas -, Stahl – und Holz – Tragelemente und Verschraubungen in Verbindung mit dem abgerundeten Glassegel und schrägen Gebäudemantel auf den Betrachter wirkt.




Wie das Gebäude architektonisch geplant und konstruiert worden ist, kann man hier detailliert einsehen: http://www.detail.de/artikel/von-glassegeln-umhuellt-fondation-louis-vuitton-in-paris-12932/




Auch im Einklang mit der Parkanlage harmoniert Frank Gehry’s “Glasschiff”, “Glaswolke”  , sowie  die ”Gestreifte Herrschaft des Lichts” als farbenfrohes “Observatorium des Lichts”, “Observatory of Light”, „L’Observatoire de la lumière“ von Daniel Buren.



Das Licht ist ein Symbol des Lebens und der Freude.

Honoré de Balzac