Archiv der Kategorie: Sitten und Bräuche

Torre des Verger

… oder “Torre de Sei Animes” – Turm der Seelen …


… ist ein Wehrturm aus dem 16. Jahrhundert und steht etwa 50 m von der Ma – 10 entfernt auf einem einem Felsvorsprung, ca 600 Meter über dem Meer, ca. 2 km vor Banyalbufar.

Der “Torre des Berger” ist einer der 85 Wehrtürme der Insel, um im Mittelalter Piratenangriffe auf die Insel zu verhindern. https://de.wikipedia.org/wiki/Torre_des_Verger

Ludwig Salvator von Österreich-Toskana hat den Turm um 1875 gekauft. Um 1997 wurde er renoviert und steht heute unter Denkmalschutz.


https://die-inselzeitung.com/services/freizeit/torre-de-verger-der-wachturm-der-seelen-oder-mythen-und-aussichten/
Bericht aus der Inselzeitung vom Februar 2022





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Bei diesem Ausblick kommt mir folg. Zitat vom Bergsteiger Herbert Tichy in den Sinn:

“Es schien mir sinnlos, von den Wundern der Ferne immer nur zu träumen,

ich wollte sie erleben.”

Schau ins Land …

… kreuz und quer durch meinen Bildergarten.

Da entdeckst du Hühner …


… und Ziegen …

… auf spanisch “Cabras” an der Nordwestküste auf Mallorca.


He guck mal, da sind zwei Geissen im Multipack …

… oder im Quartett aufgestellt auf dem Zugerberg,

… wo eine gwundrig und vorwitzig nach …

… diesem allerliebsten Alpaka – Baby, einer sogenannten Cria, Ausschau hält.


Ja, da entdecke ich in der Foto-Sammlung “mein Lieblingsbild” von Roberto Donetta, einem Schweizer-Fotografen aus dem Bleniotal, welcher 1865 – 1965 als Fotograph und Samenhändler in Europa unterwegs war.

https://www.woz.ch/1627/roberto-donetta/das-leben-ist-ein-klang-ein-lufthauch-ein-nichts

… da sind auch die Schafe von unserem Nachbar Florian, welche hier am 3. Februar 2016 …

und Anfang 2020, als Wanderschafe über die Matten und Weiden vom Knonaueramt in Begleitung von einem Schafhüter und zwei Hunden wandern dürfen.

Im Oktober 2023 sind sie endlich wieder zu Hause, um auf der heimatlichen Weide den Sonnenuntergang


… gemeinsam mit Grisly zu geniessen.

Jetzt am 2. Februar 2024 sind. Florians Schafe, hier etwa 350, wieder auf eine längere Wanderung aufgebrochen …


… um dann schon bald als Ausverkauf-Ware auf den Ladentisch zu kommen.

Ende Winter, Anfang Frühling werden hier wiederum haufenweise Lämmer geboren. Das Decken beginnt dann meistens schon Anfang Juli wieder.

Friedrich Hölderlin hat zur Vergänglichkeit und Erneuerung folgendes Statement:

Alles altert und verjüngt sich wieder. Warum sind wir ausgenommen vom schönen Kreislauf der Natur? Oder gilt er auch für uns?

Über das Leben und Sterben, sprich über unsere Vergänglichkeit macht sich jeder hin und wieder mal so seine Gedanken, oder nicht?

Kinder wissen ganz genau …

… was zu tun ist, wenn mutti am Kochherd nicht mehr weiter weiss!


Wieder einmal hüten wir unsere Grosskinder (4 und 9-jährig) in ihrem neuen Daheim. Das Abendessen habe ich bei uns zu Hause vorgekocht. Es ist an der Zeit, die Speisen wieder aufzuwärmen. Der Gratin im Backofen entwickelt sich prächtig. Nun muss ich nur noch das Fleisch und Gemüse auf dem Herd warm machen.

Nach einer geraumen Weile bemerke ich, dass die Pfannen kalt geblieben sind: “Es ist doch alles auf Stufe neun eingestellt!? Muss ich den Timer ebenfalls einschalten?!” Gesagt getan. Es tut sich nichts. “He, Selina spinnt euer Kochherd manchmal?” – “Nicht dass ich wüsste, mutti!” – Dann beordere ich meinen Mann die Gebrauchsanweisung hervorzuholen. Diese sind hoch oben in einem Schaft, wo ich Winzling nicht drankomme. Leider findet er das Gesuchte dort nicht … ”Also Selina, weisst du wirklich nicht, was ich da am Herd falsch mache?”

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“Nein, mutti! Ich kann dir schlecht  helfen. Wir Kinder dürfen nicht an den Herd! Nur eines weiss ich, es muss immer eine Pfanne auf dem Heizfeld stehen, erst dann kann man kochen!” – “Ist mir schon klar und sowieso, die Kochtöpfe stehen schon seit Stunden auf auf den Kochfeldern!”

 

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Da ruft Leno: “mutti ich habe eine Idee. Stell deine Pfannen in den Eisschrank und wenn sie dann so richtig kalt sind, stellst du sie wieder auf den Herd, und dann merkt der dann schon dass er er die Sachen warm machen muss!” – In diesem Moment fällt mir der Groschen.

 

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Natürlich das ist ein Induktionsherd und meine mitgebrachten Pfannen sind dafür nicht geeignet. Schnell leere ich mein Vorgekochtes in Induktionspfannen um, und zehn Minuten später können wir tatsächlich eine warme Mahlzeit geniessen.

 

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Um klar zu sehen,


genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

Antoine de Saint Exupéry

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Ebenfalls von  Saint Exupéry stammt dieser Satz aus Die Stadt in der Wüste, Zitadelle>Die Stadt in der Wüste, Zitadelle>

Ich habe viel über Kinder nachgedacht, die mit ihren weissen Kieseln spielen und sie verwandeln: “Sieh doch,” sagen sie, “dort marschiert ein Heer ein und dort sind die Herden!” Der Vorübergehende aber, der nur Steine sieht, weiss nichts vom Reichtum ihrer Herzen.

 


 

Jeder hat mal eine Meise …

in seinem Oberstübchen …

Else steht aufgeregt vor mir: „Du mutti unsere Meisen sind verschwunden …“

mutti: „He, was meins du damit?“

Else: „Ich habe seit Wochen keine mehr in unserem Garten gesehen …“

mutti: „Kann nicht sein, habe soeben welche beobachtet …“

Else: „in unserem Garten?“

mutti: „ … nicht gerade dort, aber sonst überall, sogar bei uns!“

Else: „Kann nicht sein. Die sind am Aussterben, wegen all dem Dreck der Autos, der Flieger …“

mutti: „Sag nichts! Diese Flieger stören mich auch, aber dass deswegen die Meisen verschwinden …?“

Else: „Ganz sicher schon. Sieh mal die Blätter unserer Palmen, von unserem Ginko, unserer Olivenplantage, ganz zu schweigen von unseren Buchs- und Zypressenbäumchen  â€“ alles ist verdreckt. Mein Mann und ich putzen die ganze Zeit den Russ von den Blättern – auch die Steine waschen wir mit Javellewasser wieder sauber, damit sie nicht vermoosen oder noch schlimmer schwarz werden!”

mutti: „Eure Brennesselzucht entstaubt ihr auch?“

Else: „Nein, nein. Diese behaarten Blätter kannst du nicht vernünftig reinigen; also das kannst du vergessen … Dafür haben wir seit ein paar Wochen ein feines Plastikzelt darüber gestülpt. Die Blätter bleiben jetzt picobello sauber!”

mutti: „Diese Folien ersticken ja die Schmetterlingsraupen?!“

Else: Das haben wir bemerkt. Deshalb stehen wir morgens beizeiten auf und öffnen den Plastik, aber nur für einen kurzen Moment.

Mutti: „Wenigstens etwas …“

Else: Denkste mutti! Wenn die Amseln nicht wären, die nutzen jede Gelegenheit … Stell dir vor, die fressen die Raupen, bevor diese richtig wach sind …

mutti: „Else, Else, dass solltest du doch wissen, die Natur und ihre Triebe …

Else: Natur hin oder her! Wir können uns wehren. Schau wir besitzen seit neuestem einen Roboter-Rasenmäher … und jetzt hör gut zu! Wir haben den etwas aufgepimpt. Jedes Tier, das sich ihm nähert, bekommt einen klitze kleinen elektrischen Schlag …“

mutti: „Im Ernst – und da wunderst du dich, dass die Meisen deinen Garten meiden? Also du hast ja wirklich eine Meise!“

Else: „Sag wo? Ich sehe keine …!”

mutti murmelt für sich: “In deinem Oberstübchen und hie und da auch in meinem!”

 

Stellt euch vor, ich habe nebst meiner Pendel- und Kuckucksuhrsammlung auch noch zwei Vogelstimmenuhren. Zu jeder vollen Stunde piepst ein anderer Vogel.

Zum Beispiel singt der Pirol wenn’s zwölf Uhr ist – bei der anderen Uhr wird um zwölf Uhr der Kuckuck sein Liedchen

trillieren – einzig das Geschrei vom Auerhan und Papageientaucher geht mir derart auf den Wecker … Zum Glück bin ich meistens um vier und fünf Uhr ausser Haus…

Nun habe ich doch kürzlich in einem Geschäft eine weitere Vogelstimmenuhr erstanden, auf welcher unter anderem auch diverse Finken und Meisen ihr Liedchen singen, sobald der grosse Zeiger die volle Stunde angibt. Toll nicht! Lacht nicht, ich habe schon anfangs geschrieben, dass jeder mal eine Meise in seinem Oberstübchen sitzen hat.

 

Endlich mal …

Arbeiter, die schnell arbeiten können.


Unsere Häuser wurden renoviert. Nun sollten auch die Gärten auf Vordermann gebracht werden. Diese Arbeiten müssten ebenfalls schon lange beendet sein …


Ha, heute ist ein Freudentag. Die Gärtner sind endlich da. Sie krempeln die Ärmel hoch und schlüpfen mit ernstem Gesicht und Blick zum Himmel in ihre Arbeitshandschuhe. Tatsächlich, in windeseile wird ein Sitzplatz nach dem anderen von den alten Steinen befreit. Die Karretten füllen sich und ebenso die Container. Huch, bis am Mittag sind diese übervoll und für den Abtransport bereit. Nun stehen die Gärtner mit Messband und mit dem Gerät für Landvermessungen in den Gärten und teilen die neu zu erstellenden Sitzplätze ein.


Da die wackeren Mannen begreiflicherweise schon etwas müde sind, geht diese Aufgabe sehr langsam vonstatten – und – irgendwie auch belustigend. Einer misst und sein Kollege hockt am Boden und zeichnet die vorgegebenen Punkte ein. Imme wieder machen sie einen Zigarettenhalt und begutachten die Skizzen. Da ich, (nur ganz zufällig, lieber Master), auch in diesen Gärten beschäftigt bin, werfe ich einen Blick auf so eine Zeichnung … Ja, wenn das nur gut kommt. Das ganze sieht eher aus wie ein Gemälde von einem Dreijährigen … Da sind einige der präzisen (?) Längenangaben und der diversen Vermessungspunkte durchgestrichen, gekreuzt und neu beschriftet … He mutti, das ist der Stift, mit dem Stift in der ungelenken Lehrlings – Hand. Mit dem stiftenden Jüngling und dem Stift muss man Geduld und nochmals Geduld haben. 


Auf jeden Fall sehe ich heute morgen, so um 9.00 Uhr noch keinen Arbeiter, Gärtner oder Steinmetz in den Gärten. Die stecken wahrscheinlich alle im Stau vom Gubristtunnel. Der Auftraggeber zuckt mit den Schultern und meint zu mir: “Bin nur schon froh, dass der ganze Scheiss von Platten und Steinen entsorgt ist und die Container wieder weg sind!” – “Eigentlich ist das eine ganz ordentliche und schnelle Equipe, die du da engagiert hast!”, füge ich an. Mein Gegenüber meint: “Da bin ich mir nicht so sicher. Weisst du die hatten für die Befüllung und für den Wegtransport der Container eine feste Terminvorlage, mit der Auflage, dass dem  Gärtnerunternehmen die Verzögerungskosten auferlegt werden …, da mussten die schon etwas Gummi geben!”


Ach ja, die Gärtner sind jetzt auch da! In zweier Grüppchen arbeiten sie mehr harzig als emsig. Der eine pickelt der andere schaufelt. In der Zwischenzeit habe ich alle, für die Gärten bereitstehenden Pflanzen gepflegt und gegossen. Ich höre einen Aufschrei: “Was, duuu hast diese Wampe geküsst!” – “Ja, musste ich wohl, die hat sich mir so aufgedrängt, konnte nicht mehr anders!” Da meine ich zu ihm: “He, so ein starker Mann und so ein feines weibliches Wesen, nicht abwehren können? Das ich nicht lache!” – “Also mutti! Die hat mir gedroht und gesagt, sie werde meinem Chef “stecken”, dass ich die Berufsschule geschwänzt habe!” – “Hi, mutti, das ginge noch … der hat noch ganz anderes nicht gemacht oder auf dem Kerbholz!”, wendet der Ältere ein. “Ich würde natürlich auch lieber eine Tussi küssen als in die Schule gehen!”, meint der dazu kommende Vorarbeiter der Truppe. “Diese Pfunzel küssen …, das wäre noch gegangen. Aber ich musste sie auch noch abschlecken!”


Kein Mensch muss müssen, ausser er tut es gern!”,



dieser zweischneidige Spruch ist auf meinem Mist gewachsen. Natürlich muss man regelmässig in die Schule gehen, auch wenn diese Zeit für einige Leute eine unnötige Qual, oder sogar eine Misshandlung ist.


- und - 


es muss ja nicht gerade die Humboldt – Universität von Berlin sein, oder? 

Wenn man umzieht lernt man …

zwangsläufig die Sitten und Bräuche der neuen Nachbarschaft kennen.


Das erste Kennenlernen überlassen mein Mann und ich gerne dem Zufall – so auch dieses Mal! Kaum sind wir in unserem neuen Domizil eingezogen und einigermassen eingerichtet, zieht es mich in den Garten. Da ruft mir jemand über die Hecke: “Hallo! Da wartet aber viel Arbeit auf Sie. Wissen Sie, ihr Vorgänger hat nie etwas gemacht. Das war einer von der bequemeren Sorte …!” Ich richte mich auf und antworte: ”Nett Sie kennen zu lernen. Ich bin Frau mutti.” - ”Freut mich, ich heisse Heidi Zürcher …!  Das heisst ich bin ganz einfach s’Heidi, und da kommt gerade mein Hans! Schau Schatz, unsere Neue ist schon bei der Gartenarbeit!” – “Grüzi Herr Zürcher! Freut mich! Mein Name ist Frau mutti!” - ”Äh, wir sagen uns hier alle “du”! Ich bin der Hans!”, etwas perplex stottere ich: “Ja, dann …?” Denn es ist gar nicht meine Art  sofort mit jemandem per Du zu sein. Unbeirrt über mein Zögern erklären mir Hans und Heidi: ”Weisst du, wir sind so froh, dass ihr jetzt hier seid. Das Haus schaut jetzt schon viel freundlicher aus, als bei eurem Vorgänger, gäll Hans! Ganz schrecklich dunkel und grusig war der Anstrich vom Chalet! Der Garten war die reinste Wildnis, gäll Hans! Auf jeden Fall habt ihr die Büsche perfekt umplatziert! Dementsprechend würde ich dort hinten noch ein Pavallion stellen, hier vorne ein Bistrotisch mit zwei Stühlen, ergänzt mit Kerzen oder Fackeln und so. Übrigens eure kleinen Sonnenschirme werden sich auf die Länge nicht bewähren, gäll Hans?!” Der erklärt mir postwendend: ”Wie’s Heidi schon sagt … Es gibt da solche, die man mit einer Kurbel aufziehen kann! Siehst du, wie  diese da … “, – “Am besten in beige oder weiss!”, ergänzt Heidi und fährt fort: ”Farbige Schirme wirken völlig unruhig,  besonders zu eurer gestreiften Sonnenstore, gäll Hans!?.” Etwas irritiert verabschiede ich mich von den beiden, zum einen wegen dem schnellen du und zum anderen ihrer Aufdringlichkeit betreffend unserer Gartengestaltung.


Doch kaum habe ich mich umgedreht ruft jemand von der Zufahrtsstrasse her: ”Hey, Sie sind sicher unsere neue Nachbarin! Ich bin der Werner!” – Lachend reagiere ich: “Und ich bin Frau mutti! Grüezi Herr Werner!” – Der aber erwidert: ”Nein, mein Name ist Guggermeister – Werner Guggermeister!” – Freundlich entgegne ich: ”So, das freut mich Herr Guggermeister! Ach, wie ich sehe kommt da noch Ihre Frau. Grüezi Frau Guggermeister! Ich bin Frau mutti, Ihre neue Nachbarin!” Diese begrüsst mich ebenfalls lachend: ”Freut mich! Aber Sie dürfen mir schon Leni sa..!” Da falle ich ihr ins Wort: “Frau Guggermeister, wie ich sehe haben Sie auch einen Hund – und was für einen herzigen! Jetzt kommt mir in den Sinn, ich muss ja mit unserem Chicco noch einen Lauf machen!”, dabei verabschiede ich mich von den Guggermeisters, innerlich ganz stolz, dass ich einem weiteren (unfreiwilligen) “Duzen” noch einmal entkommen bin.


Als ich mit Chicco vom Spaziergang zurück komme, ruft mich mein Mann zu sich hinter unser Haus: “Komm mutti, darf ich dir Herrn Rebsam vorstellen? Herr Rebsam, das ist meine Frau!” - ”Freut mich Frau mutti! Schön, das Sie hier eingezogen sind! Du Trudi komm doch mal rasch, da sind Herr und Frau mutti – unsere neuen Nachbarn!” Wir begrüssen uns gegenseitig – und schon – erklärt sich Frau Rebsam: “Schön das Sie da sind. Sie müssen wissen, wir haben es sehr gut hier im Quartier. Wir helfen uns gegenseitig und schauen hie und da einander zum Garten. Darf ich Ihnen bei dieser Gelegenheit einen guten Tipp geben! Wir haben festgestellt, dass Sie Ihren Rasenmäher viel zu tief eingestellt haben. Ein zu kurz geschnittener Rasen vermoost und geht mit der Zeit total kaputt, besonders in einem heissen Sommer!”


Erleichtert  darüber einem  weiteren “Duzis – Angeobot” entkommen zu sein,  habe ich mich schon fast übermütig für den überflüssigen Hinweis von Rebsamens bedankt. Auch mein Mann meinte später: “Du, da sind wir noch einmal davon gekommen!” – Denn wir beide sind der Meinung:

  • Ein “Sie” verschafft uns persönlich, besonders beim ersten Kennenlernen von neuen Nachbarn oder neuen Arbeitskollegen, eine gesunde Distanz zu unserem Gegenüber. Mit dem “Sie” mindern wir  aber nicht unsere Wertschätzung dem anderen gegenüber. Erst ein gegenseitiges Abtasten und  eine normal verträgliche Zurückhaltung erleichtert uns (und natürlich auch der anderen Person) die Entscheidung beim “Sie” zu bleiben oder sich zum gegebenen Zeitpunkt das “Du” anzubieten.

Es ist mehr wert,


jederzeit die Achtung der Menschen zu haben,


als gelegentlich ihre Bewunderung.


Jean Jacques Rousseau

Inserate können …

zum Einkaufen animieren,



oder


Jugendsünden wieder aufleben lassen.


Meine Jugendzeit liegt schon ellenlang zurück. Auf jeden Fall wurde man damals erst mit  zwanzig volljährig. Bereits mit achtzehn durfte ich mit Erlaubnis meiner Eltern meine Haare von braun auf blond umfärben.


Einmal musste es sehr rasch gehen. Der Coiffeur war ausgebucht. Da dachte ich: “Dann mach ich das selber!” In der Apotheke besorgte ich das Bleichmittel. Damit die Färberei besonders rasch vonstatten ging, habe ich den Anteil vom Bleichpulver verdoppelt und hoppla hopp – simsala bim: ich war mehr weiss als blond. Beim Durchbürsten der hellen Pracht, fielen die Haare ab. Ich schreie und meine Mutter wusste Rat: “Geh zum Perücken Schober, der hat tolle Teile, die sehen aus wie echt!” – “Aber Mueter, die sind doch viel zu teuer …!” – “Papperlapapp. Ich leihe dir das Geld. Auf jeden Fall kannst du soo nicht rumlaufen! Was denken da die Leute!”


Sofort eilte ich zum Schober und der präsentierte mir wahrhaftig geile Teile. Sofort entschied ich mich für ein tolles Stück – und was für eines! Natürlich strohblond, gelockt, frisch toupiert – und – erst noch billig! Mit dieser künstlichen und auch noch günstigen Haarpracht eile ich nach Hause. Meine Mutter verschluckte sich fast vor Begeisterung. Tief Luft holend wies sie mich zurecht: “Nur eine billige Nutte läuft so durch die Gegend!” Hysterisch will ich Aufbrausen. Meine Mutter wurde ebenfalls laut  und nötigte mich meine Ersatzhaare beim Schober für etwas “Anständiges” umzutauschen. Diesmal kam meine Mutter mit.


Der Schober empfing uns herzhaft lachend: “He ihr Zwei! Was ist denn mit euch los? Ihr guckt so, als ob der Teufel hinter euch her wäre?” – “Na Herr Schober, Teufel hin oder her. Wieso verpassen Sie meiner Tochter eine so nuttige Perücke? Das ist doch voll daneben?!” – “He, langsam Frau Meier. Ich habe ihrer Tochter ein paar ganz passable Stücke gezeigt. Doch mutti hat sich partout für dieses Exemplar entschieden. Diese Perücke sei der Knaller, voll modern für junge Leute von heute. Da habe ich mir gedacht, gut, wenn sie diese haben will, soll das Fräulein die haben, aber aus meinem Laden. Denn, wenn ich nicht nach gegeben hätte, wäre Ihre Tochter todsicher sofort in die Stadt gefahren, wo sie auf Biegen und Brechen zu einer blonden Perücke gekommen wäre; zum einen viel teurer als bei mir – und zum anderen erst noch ohne Umtauschrecht!”


Eine Stunde später verliessen wir zwei Frauen ganz happy und aufgekratzt den Perückenladen, ich mit einer dunkelblonden aus chinesischem Echthaar und meine Mutter mit einem geflochtenen Haarteil, aus schwarzem und erst noch ganz feinem europäischem Haar!


Ende gut alles gut und nicht nur einer singt dazu: 


Achtzehn Jahre, blondes Haar, voll billig stand sie vor mir!


Wie find ich als volljähriger Volltreffer wohl zu ihr?



Mit einem Wumm Budidumm …

schliesse ich die Türe vom Tumbler - doch – der  will nicht mehr funktionieren!


Der gerufene Servicemonteur kommt irgendwann im Verlaufe der Woche, inspiziert das Gerät und rüttelt etwas daran. Der Tumbler läuft wieder. Triumphierend ruft der Mann: “Arbeit fertig! Brauche nur noch Ihre Unterschrift!” Beim Hinausgehen meint er noch lapidar: “Musst putzen liebe Frau, dann Maschine laufen immer!”


Unser Tumbler funktioniert tatsächlich – haargenau zehn Minuten lang! Ich kontrolliere das Fuselsieb. Es ist sauber. Wumm Budidumm, Türe zu und ich drücke auf den Startknopf – nichts geht! Wiederum rufe ich im Werk an und bitte um Hilfe. Diese kommt drei Tage später. Natürlich will auch diese Fachkraft wissen, wo es klemmt. Ich erkläre es ihm und mit einem eleganten “Wumm Budidumm” schliesse ich demonstrativ elegant die Tumblertür, und drücke auf den Knopf. Stille! Nichts geht!


Der Handwerker schüttelt den Kopf: “Wenn Sie so machen zu, dann gehen alle Maschinen kaputt!” Mit einem belehrenden Blick öffnet er die Tür, schliesst sie wieder, ganz sanft – und tatsächlich – die Maschine läuft! – “Soo, liebe Frau! Jetzt brauche ich nur noch Kreuz von Sie auf meinen Zettel!” – “Können Sie haben, aber ich bitte Sie, noch zu warten bis ich die “volle” Maschine in Gang gesetzt habe!” – “Was warten! Maschine geht immer, wenn Sie nicht machen zu, mit ‘Wumm Budidumm’!”, erregt sich der gute Mann.  Unbeirrt raffe ich etwas nasse Tücher zusammen und stecke sie in den Tumbler, schliesse die Türe ganz sanft – anscheinend zu sanft! “Musst kräftiger drücken, dann geht!” – Tatsächlich das Gerät läuft, etwas quitschend zwar, aber immerhin es funktioniert wieder! Dankend verabschiede ich den Mann und schliesse hinter ihm die Tür, um zu bemerken, dass der Tumbler schon wieder still steht! Schnell rufe ich den Monteur zurück. Er kommt und mit einem: “Zzzzzh. Muss schauen halt noch mal!” 


Nach einer geraumen Zeit kommt der Herr nach oben. “Sie Frau, ich nicht wissen was genau kaputt. Brauche Überlegung – komme am Nachmittag wieder!” Tatsächlich steht der Monteur nach seiner Mittagspause wieder in unserer Waschküche und nimmt die Maschine diesmal ganz auseinander. Er murmelt etwas! Ich meine gehört zu haben: “Musst putzen, Jesus Maria!” Nach etwa einer Stunde erscheint der Monteur: “Weiss nicht Frau, muss Maschine mitnehmen in Werk! Du nie putzen Maschine?” – “Natürlich reinige ich diese, aber selbstverständlich nur die Siebe und den Kondenser!” Der Monteur kratzt sich am Kopf: “Auch egal. Doch wie ich trage jetzt Maschine zu Auto? Muss anrufen!”


Am nächsten morgen steht der selbige Monteur mit einem Fachgehilfen ganz stolz in unserer Waschküche und sagt: “Frau, jetzt Kollege hier! Der bringen Maschine in Auto!” Dieser wehrt sich entrüstet: “Du aber nicht glauben, ich trage Maschine! Ich wollen besser schauen wo Fehler!” Ruck, zuck, zack zack und mit einem Wumm Budidumm  wuchtet der zweite Mann die Trommel vom Tumbler aus der Verankerung. Dann leuchtet er mit der Taschenlampe das Innere aus und meint zum Monteur: “Was du da gemacht?” Dabei fuchtelt er mit dem Schraubenzieher im Gerät auf und ab! “Alles putzen, wie du immer mir sagen!”, rechtfertigt sich dieser. “Das glaube ich ja nicht?! Du nicht sehen, dass Riemen kaputt?!”, faucht die Fachkraft den Monteur an. “Ich nicht viel wissen!”, er hebt dabei seine Schultern. “Adesso subito! Geh’ zum Auto und hol mir einen neuen Riemen!” – Mit einem innerlichen Wumm Budidumm entferne ich mich von den beiden …


Nach etwa dreissig Minuten legt mir die Fachkraft einen grünen Regiezettel zum Unterschreiben vor: “Entschuldigung Madame! Jetzt Maschine laufen wieder wie neu! Mein Kollege erste Mal auf Tour! Machen noch viele Fehler! Gibt keine Rechnung für Sie. Geht alles auf Garantie!” 


Das ist noch nicht das Ende der Geschichte:


Nach zwei Tagen hat unser Geschirrspüler den Geist aufgegeben. Bereits zwei Stunden später steht  die Fachkraft in der Küche. Es ist haargenau derjenige Mann, der unseren Tumbler wieder zum Laufen gebracht hat: “Sie, Madame, jetzt diese Maschine kaputt?” Ich nicke und zeige auf den Spüler: “Ich glaube, es ist die Pumpe …!” – “Oh Madame, hoffe nicht. Das dann teuer für Sie!” – “Egal. Hauptsache Sie reparieren diese Maschine ohne grosses Hin und Her oder Spektakel.” 


Nach einer Stunde ruft der Mann: “Madame! Alles paletti! Maschine wieder wie neu!” Ungläubig begebe ich mich in die Küche. Der Mann strahlt. “Da sehen Sie Madame, diesen Zahnstocher, da diese Glasscherbe und hier das Stück von einer Schraube; das alles ist unter das zweite Sieb geraten. Der Zahnstocher hat die Pumpe blockiert! Jetzt wieder alles gut! Madame, Sie müssen Geschirr und alles andere Zeug immer putzen, bevor in Maschine geben!” – “Aber ich spüle doch stets alles vor!?”, entgegne ich. “Glaube Ihnen! Hauptsache jetzt gut. Für anderes Mal, Madame! Ich einfach wieder kommen!” – “Vielen Dank und wo muss ich unterschreiben?” – “Normalerweise schon, aber da Kollege letztes Mal machen soviel Mist, ich Ihnen diese kleine Reparatur schenken! Dafür Sie immer gut putzen! Gäll, Madam! Sonst nächstes mal wirklich sehr teuer!” – “Vielen Dank, aber wie weisen Sie ihre Arbeitszeit beim Disponenten aus, wenn sie keinen Rapportbeleg haben?” –


“He, mage nichts Madame, ich bin der Disponent!”


Wumm Budidumm nochmal, und erst noch ein zuvorkommend freundlicher!


Wenn ein freundlicher Mensch


auch noch zuverlässig ist, 


dann haben wir es schon


mit einem halben


Engel zu tun!


Ernst R. Hauska

In der heutigen Presse …

habe ich das Gedicht “Des Menschen Hand” 


von Wilhelm Raabe entdeckt.


Ich musste die vier Strophen ein paar mal lesen, um deren inhaltliche Aussage zu verstehen:


Legt in die Hand das Schicksal dir ein Glück,


Mußt du ein andres wieder fallen lassen;


Schmerz und Gewinn erhältst du Stück um Stück,


Und Tiefersehntes wirst du bitter hassen.


Des Menschen Hand ist eine Kinderhand,


Sie greift nur zu, um achtlos zu zerstören;


Mit Trümmern überstreuet sie das Land,


Und was sie hält, wird ihr doch nie gehören.


Des Menschen Hand ist eine Kinderhand,


Sein Herz ein Kinderherz im heftgen Trachten.


Greif zu und halt! … Da liegt der bunte Tand,


Und klagen müssen nun, die eben lachten.


Legt in die Hand das Schicksal dir den Kranz,


So mußt die schönste Pracht du selbst zerpflücken;


Zerstören wirst du selbst des Lebens Glanz


Und weinen über den zerstreuten Stücken.


Ob ich das Gedicht richtig gedeutet und die Stimmung von Raabe richtig erfasst habe steht in den Sternen. Nachfolgend getraue ich mich trotzdem meine Auffassung darüber kund zu tun. In der Hoffnung, dass sich der eine oder andere ebenfalls zu einem Kommentar hinreissen lässt.


Es gibt sie, die heiss ersehnten Träume die wir uns im Verlaufe unseres Lebens verwirklichen können, wie zum Beispiel: Partnerschaft, Familie, Besitz, Erfolge, Titel und Ansehen im Beruf, in der Politik, im Sport, in kulturellen und künstlerischen Bereichen, dann als Forscher, Wissenschaftler, als Freischaffende oder, wenn es ganz rund läuft als gekrönte Obrigkeiten mit Hofstaat und sonstigem Klimbim.


Was ist, wenn sich Freude, Würde und Ansehen zur Last und Bürde wandelt? Was ist, wenn die Macht überhand nimmt? Was ist, wenn die grossen Liebesbeziehungen, die lang ersehnten Kinder nur noch Kummer und Enttäuschung bereiten? Was ist, wenn sich das grosse Glück als Reinfall entpuppt? Was will man tun, wenn eine tödliche Krankheit oder ein schrecklicher Unfall unser Leben kreuzt?


Ja, dann kann Gram und Hass entstehen.  Glücklicherweise greift auch da wieder die kindliche Hand hoffnungsvoll nach dem Glück und hält es fest – dummerweise schon wieder zu fest (ohne es zu merken). Folglich hortet, sammelt und rafft man wieder viel Unnötiges zusammen. Alles kommt wie eh und jeh auf einen Haufen, wahllos; bis sich das Ganze samt und sonders in Gift und Gestank auflöst. Aus Trödel und Tand wird Unrat und Schlacke. Am lautesten schimpfen die darüber, die sich über das masslose Raffen, die Auktion und deren Profit am meisten gefreut haben. Somit wird der selbst geflochtene Glorien-Kranz einmal mehr zur Bürde für alle, nicht nur für die Verursacher. Die Entflechtung wiederum zum Machtverschleiss und das Aufräumen zur Last. Zurück bleibt, wie soll es anders sein wieder Wut und Frust.


Fazit:


Die Erde dreht sich um die Sonne immer links herum.


- und -


so wird es immer bleiben!


Die Hand greift stets übermächtig und gierig nach dem Glück


- und -


so wird es immer bleiben.


Träume sind das …

was sie sein wollen, was sie sein könnten und nicht sein sollten!


Letzte Nacht schrecke ich aus meinem Tiefschlaf auf. Noch im Aufwachen starre ich immer wieder auf die knallrote Zahl 895.90. Schweissgebadet und mit rasendem Herzklopfen erinnere ich mich an meine Einkaufstour von gestern Nachmittag. Habe ich tatsächlich mein Konto überzogen?


Zerknittert und verdattert setze ich mich noch im Halbschlaf an den Computer und locke mich bei meiner Bank ein. Zahlstäblich steht da knallig tintenrot “Saldo: minus SFR 895.90”. Ups. Träume ich schon wieder? Schnell überfliege ich die Quittungen vom gestrigen Tag. Da ist alles in Ordnung – keine unnötigen oder ausserordentliche Einkäufe  kommen zum Vorschein. Hat die Kassiererin geschlampt und den Prozentgutschein nicht berücksichtigt? Nein, auch nicht. Mir wird es mulmig! Nochmals kontrolliere ich die Sollbeträge. Da entdecke ich ein paar Valutatage zurück eine mir erst ganz und gar unbekannte Buchungszahl. Wie hypnotisiert betrachte ich diese. Ach, ja natürlich der neu erstandene Esstisch habe ich im voraus bezahlen müssen, damit er uns nach Hause  geliefert wird. Mein Mann hat mich damals noch darauf aufmerksam gemacht, diesen ja mit der VISA - Karte zu bezahlen … Doch einmal mehr bin ich zu stolz gewesen und habe, um dem Verkäufer zu imponieren, diesen Tisch bar bezahlt mit dem Gedanken: “Selbst ist die Frau!”. Nun, das habe ich davon. Wir stehen erst am Anfang vom Monat. Mein Haushaltskonto ist mit Fr. 895.90 überzogen. Schuldbewusst lege ich mich wieder ins Bett. Von Schlafen ist keine Rede mehr. Die nächsten Einkäufe könnte ich noch mit den gesammelten Superpunkten vom Coop und der Mirgros berappen!? Mit der Visa zum Bancomat? Nein, geht nicht. Habe den Code vergessen!


Soeben habe ich etwas zerknirscht meinem Mann gebeichtet, dass ich für diesen Monat praktisch pleite sei. “Na, mutti, dass du stier bist weiss ich schon lange. Wenn du schon bar bezahlst, dann lass die Quittung nicht einfach auf dem Ladentisch liegen. Der Kassierer hat mir diese nachgesandt. Da habe ich gesehen, dass du wieder einmal mehr das Haushaltkonto mit Beträgen belastet hast, die gar nicht dahin gehören!”


Sagt’s und überreicht mir schmunzelnd ein paar Nötli mit den Worten: 


Wer rot sieht,


ist nicht unbedingt stier!”